Ein halbes Jahr lang war dieser Tag das Ziel. Am 28. August 2026 steht Silas von der Heyden mit seinem Rad auf Phoenix-West in Dortmund. Vor ihm liegt Highlands & Steel: 573 geplante Kilometer und rund 5.590 Höhenmeter. Für die Familie ist dieser Start vor allem der sichtbare Moment einer Veränderung, die viel früher begonnen hat.

Am Ende wird Silas diese Strecke nicht zu Ende fahren. Nach ungefähr 100 Kilometern muss er das Rennen wegen gesundheitlicher Beschwerden beenden. Wer seine Geschichte nur an dieser Zahl misst, übersieht allerdings die Monate davor – und den Schritt, den er mit diesem ersten Versuch ins Ultracycling gemacht hat.

Aus einem Wunsch wird ein Weg

Sechs Monate intensive Vorbereitung liegen zwischen der Idee und der Startlinie. Rund 1.500 Trainingskilometer und 12.000 Trainingshöhenmeter kommen zusammen. Das sind die messbaren Seiten des Projekts. Dahinter steht etwas, das sich schwerer in eine Tabelle eintragen lässt: die Bereitschaft, ein großes Vorhaben ernst zu nehmen und dafür immer wieder aufs Rad zu steigen.

In seinem persönlichen Bericht beschreibt Silas, wie sich sein Maßstab unterwegs verändert hat. Früher waren bereits Touren über 20 oder 25 Kilometer eine große Herausforderung. Nun bereitet er sich auf ein Rennen vor, dessen Distanz ein Vielfaches davon beträgt. Diese Entwicklung ist nicht erst mit einem Zieleinlauf erreicht. Sie steckt bereits in der Arbeit, die ihn überhaupt bis nach Dortmund bringt.

Silas mit seinem Rad vor der Highlands-and-Steel-Fotowand
Am 28. August beginnt das Abenteuer auf Phoenix-West in Dortmund.Foto: Sichtfeld

Beim Start ist die Familie dabei

Die Familie ist beim Start dabei. Weitere Angehörige verfolgen später das GPS-Tracking. Während Silas selbst in die Pedale tritt, bleibt sein Weg für die Menschen zu Hause auf einer Karte sichtbar. So wird aus einer sportlichen Herausforderung auch ein gemeinsames Familienereignis: Einer fährt, andere begleiten ihn vor Ort oder fiebern aus der Entfernung mit.

Highlands & Steel ist ein Unsupported-Ultracycling-Event. Auf der Strecke müssen die Fahrenden ihre Versorgung und ihre Ausrüstung selbst organisieren. Für Silas bedeutet der Start deshalb mehr als eine besonders lange Radtour. Er bringt seine Vorbereitung in eine Situation, in der er selbst entscheiden, planen und auf neue Umstände reagieren muss.

Die ersten Kilometer gehören ihm

Zunächst läuft vieles so, wie er es sich erhofft hat. Silas berichtet, dass Rad, Verpflegung und Tempo funktionieren. Was über Monate ausprobiert und vorbereitet wurde, trägt ihn nun durch die ersten Kilometer des Rennens. Aus dem Vorhaben auf dem Papier wird eine Erfahrung, die nur draußen auf der Strecke entstehen kann.

Silas fährt auf seinem Rad an Feldern vorbei
Die ersten Kilometer: Die Vorbereitung wird zur eigenen Rennerfahrung.Foto: Sichtfeld

Gerade dieser Anfang ist für den Blick auf den ganzen Tag wichtig. Das frühe Ende macht ihn nicht ungeschehen. Silas hat sich an die Startlinie gearbeitet und den ersten Teil einer neuen Herausforderung selbst erlebt. Er nimmt damit Erfahrungen mit, die keine Trainingszahl und kein noch so genauer Plan vorwegnehmen können.

Eine schwierige und richtige Entscheidung

Dann verändern gesundheitliche Beschwerden den Verlauf. Nach ungefähr 100 Kilometern ist für Silas Schluss. Entscheidend ist an diesem Abend, dass er die Situation nicht verlässlich einschätzen kann und die eigene Sicherheit vor die geplante Distanz stellt.

Nach einem halben Jahr Vorbereitung aufzuhören, ist eine schwere Entscheidung. Für die Familie zählt dabei zuerst, dass Silas auf sich achtet. Der Ehrgeiz, weit zu fahren, und die Verantwortung für die eigene Sicherheit schließen sich nicht aus. An diesem Abend zeigt sich Verantwortung darin, die Fahrt zu beenden.

„An diesem Abend war Aufhören für mich die richtige Entscheidung.“Silas von der Heyden · aus seinem persönlichen Rennbericht

Was von diesem ersten Versuch bleibt

Silas’ Vater holt ihn schließlich ab. Das Rennen endet anders als geplant. Die sechs Monate davor bleiben trotzdem seine Leistung: die Trainingsstrecken, die gewachsene Ausdauer und der Mut, sich auf ein unbekanntes Format einzulassen. Aus familiärer Sicht gehört all das zu dieser Geschichte – ebenso wie die Entscheidung, rechtzeitig aufzuhören.

Auch Silas richtet den Blick inzwischen wieder nach vorn. Die Begeisterung für Ultracycling ist geblieben. Er möchte weitere Herausforderungen angehen und Highlands & Steel eines Tages noch einmal fahren. Einen festen Termin dafür nennt er in seinem Bericht nicht. Der nächste Schritt muss deshalb heute noch nicht feststehen.

Silas blickt auf dem Rad lächelnd zurück
Der erste Versuch ist beendet. Die Begeisterung fürs Ultracycling bleibt.Foto: Sichtfeld

Nicht das Ziel, aber ein neuer Anfang.

Die geplanten 573 Kilometer stehen am Ende dieses Wochenendes nicht als absolvierte Strecke in einer Ergebnisliste. Zwischen der ersten Idee und dem Start liegen aber Monate, in denen Silas etwas verändert und aufgebaut hat. Diesen Weg kann ihm der frühe Rennabbruch nicht nehmen.

Für unsere Familienzeitung ist das der Kern seiner Geschichte: Wir halten einen Anfang fest. Einen Sportler, der sich vorbereitet, sich etwas zutraut, eine schwierige Entscheidung trifft und seine Freude am Radfahren behält. Highlands & Steel 2026 endet für Silas nach rund 100 Kilometern. Sein eigener Weg geht weiter.